Alt Stralau, Durchgangsheim

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      Ich war 1971 Gott sei Dank nur für einen Tag dort. Aber ich habe nur schlimme Erinnerungen an diesen einen Tag.
      Ich habe miterlebt, wie kleine Kinder von größeren gegängelt wurden, weil sie sich nicht so schnell anziehen konnten. Die Erzieher sahen weg.
      Einem kleinen Mädchen habe ich Geschichten und Märchen erzählt, weil es keine Bücher und auch kein Spielzeug gab.
      Nun kann dieser eine Tag ne Ausnahme gewesen sein, ich weiß es nicht.
      L.G. Löwenzahn

      Ich war 1971 Gott sei Dank nur für einen Tag dort. Aber ich habe nur schlimme Erinnerungen an diesen einen Tag.
      Ich habe miterlebt, wie kleine Kinder von größeren gegängelt wurden, weil sie sich nicht so schnell anziehen konnten. Die Erzieher sahen weg.
      Einem kleinen Mädchen habe ich Geschichten und Märchen erzählt, weil es keine Bücher und auch kein Spielzeug gab.
      Nun kann dieser eine Tag ne Ausnahme gewesen sein, ich weiß es nicht.
      L.G. Löwenzahn
      Durchgangsheim Alt-Strahlau – Heute Thaliagrundschule

      Ich war von Anfang Mai 1965 über 3 Monate im Durchgangsheim Alt-Strahlau untergebracht. Während dieser Zeit hatten wir weder Schulunterricht, noch gab es die Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung, keine Spiele oder Literatur, keinen Fernseher und auch kein Radio. Wir waren in etwa 16 bis 20 Mädels im Alter von 6 bis 15 oder vielleicht auch 16 Jahren.
      Der Tag begann mit Frühsport, die einzigste Abwechslung waren die Mahlzeiten. Ansonsten haben wir uns mit den Kleinen beschäftigt, mit Phantasiespielen und Märchen erzählen. Später glaubte ich, dass diese Kinder dort eine schreckliche Vorgeschichte haben mussten, so verschüchtert und ängstlich wie sie waren. Wie kann man kleine Kinder so unterbringen und letztendlich nur verwahren, sie hätten noch einer ganz besonderen Fürsorge bedurft.
      Eigentlich blieben die meisten Kinder und Jugendliche nur kurze Zeit, sodass man nie einen wirklichen Kontakt mit jemanden pflegen konnte und sowie Kinder in Heime verlegt wurden, kamen auch sofort wieder Neuzugänge. Ich kann mich an keinen einzigen Namen erinnern und an kein Gesicht aus dieser Zeit, also muss der Wechsel ziemlich schnell vonstatten gegangen sein.
      Über uns waren die Jungs untergebracht, aber es gab keinerlei Möglichkeit einer Kontaktaufnahme. Die Fenster waren vergittert, sodass auch das Öffnen der Fenster, um heimlich hinaufzuschauen, keinen Sinn gemacht hätte. Auch über das Treppenhaus hatte man nicht die Möglichkeit nach oben zu gelangen.
      Das einzigste Fenster welches nicht vergittert war, war das WC-Fenster, welches nach hinten zum Hof war. Aus diesem versuchte damals ein Mädchen zu fliehen. Sie seilte sich mit mehreren Laken ab und sprang dann den Rest, weil es nicht langte, oder weil sie abrutsche und brach sich ein Bein. Wir wurden wach, weil wir sie laut jammern hörten. Der Pförtner hörte sie ebenfalls, rief einen Krankenwagen und die Polizei, dann wurde sie weggebracht.

      Ich habe mir das Durchgangsheim vor ein paar Monaten von außen und innen angesehen, Ich habe jemanden kennen gelernt, die dabei war ihre Magisterarbeit zu schreiben und so hatten wir bei dem dortigen Schulrektor einen Termin und durften auch überall mal rein.
      Das D-Heim wurde total saniert. Aber da es unter Denkmalschutz steht, wurde innen und außen alles ursprünglich hergerichtet bzw. so belassen. Innen sind alle Räumlichkeiten unverändert. Unsere Schlafräume sind jetzt Klassenzimmer, der Aufenthaltsraum ist das Lehrerzimmer. Verändert sind die WC-Einrichtungen und das zum 2. Haus ein Zugang von innen jetzt vorhanden ist und es einen Fahrstuhl gibt. Original geblieben ist auch das Treppenhaus, das Geländer, die Decken.
      Wenn man nach hinten aus dem Fenster schaute, sah man auf den langgestreckten schmalen Hof eine Mauer, dahinter eine Gärtnerei. Jetzt ist dort ein großer Spiel- und Sportplatz, der zur Schule gehört.

      Und als ich im Klassenzimmer stand und an die Tafel schaute, sah ich dort vor meinem geistigen Auge das Doppelbett stehen. Ich schlief oben, ich sah mich da drinnen liegen mit der Angst im Bauch, mit all meinen unbeantworteten Fragen. Und es ist komisch, dass einem immer noch die Knie weich werden.
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      • Hinten.jpg

        (60.15 kB, downloaded 161 times, last: )
      • Flur.jpg

        (29.8 kB, downloaded 224 times, last: )
      • Eingang.JPG

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      Der Mensch ist ein Schüler, Schmerz ist sein Lehrer.

      Alfred de Musset

      [youtube]=9RkrXCgWiPs[/youtube]
      Durchgangsheim Alt-Strahlau – Heute Thaliagrundschule

      Ich war von Anfang Mai 1965 über 3 Monate im Durchgangsheim Alt-Strahlau untergebracht. Während dieser Zeit hatten wir weder Schulunterricht, noch gab es die Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung, keine Spiele oder Literatur, keinen Fernseher und auch kein Radio. Wir waren in etwa 16 bis 20 Mädels im Alter von 6 bis 15 oder vielleicht auch 16 Jahren.
      Der Tag begann mit Frühsport, die einzigste Abwechslung waren die Mahlzeiten. Ansonsten haben wir uns mit den Kleinen beschäftigt, mit Phantasiespielen und Märchen erzählen. Später glaubte ich, dass diese Kinder dort eine schreckliche Vorgeschichte haben mussten, so verschüchtert und ängstlich wie sie waren. Wie kann man kleine Kinder so unterbringen und letztendlich nur verwahren, sie hätten noch einer ganz besonderen Fürsorge bedurft.
      Eigentlich blieben die meisten Kinder und Jugendliche nur kurze Zeit, sodass man nie einen wirklichen Kontakt mit jemanden pflegen konnte und sowie Kinder in Heime verlegt wurden, kamen auch sofort wieder Neuzugänge. Ich kann mich an keinen einzigen Namen erinnern und an kein Gesicht aus dieser Zeit, also muss der Wechsel ziemlich schnell vonstatten gegangen sein.
      Über uns waren die Jungs untergebracht, aber es gab keinerlei Möglichkeit einer Kontaktaufnahme. Die Fenster waren vergittert, sodass auch das Öffnen der Fenster, um heimlich hinaufzuschauen, keinen Sinn gemacht hätte. Auch über das Treppenhaus hatte man nicht die Möglichkeit nach oben zu gelangen.
      Das einzigste Fenster welches nicht vergittert war, war das WC-Fenster, welches nach hinten zum Hof war. Aus diesem versuchte damals ein Mädchen zu fliehen. Sie seilte sich mit mehreren Laken ab und sprang dann den Rest, weil es nicht langte, oder weil sie abrutsche und brach sich ein Bein. Wir wurden wach, weil wir sie laut jammern hörten. Der Pförtner hörte sie ebenfalls, rief einen Krankenwagen und die Polizei, dann wurde sie weggebracht.

      Ich habe mir das Durchgangsheim vor ein paar Monaten von außen und innen angesehen, Ich habe jemanden kennen gelernt, die dabei war ihre Magisterarbeit zu schreiben und so hatten wir bei dem dortigen Schulrektor einen Termin und durften auch überall mal rein.
      Das D-Heim wurde total saniert. Aber da es unter Denkmalschutz steht, wurde innen und außen alles ursprünglich hergerichtet bzw. so belassen. Innen sind alle Räumlichkeiten unverändert. Unsere Schlafräume sind jetzt Klassenzimmer, der Aufenthaltsraum ist das Lehrerzimmer. Verändert sind die WC-Einrichtungen und das zum 2. Haus ein Zugang von innen jetzt vorhanden ist und es einen Fahrstuhl gibt. Original geblieben ist auch das Treppenhaus, das Geländer, die Decken.
      Wenn man nach hinten aus dem Fenster schaute, sah man auf den langgestreckten schmalen Hof eine Mauer, dahinter eine Gärtnerei. Jetzt ist dort ein großer Spiel- und Sportplatz, der zur Schule gehört.

      Und als ich im Klassenzimmer stand und an die Tafel schaute, sah ich dort vor meinem geistigen Auge das Doppelbett stehen. Ich schlief oben, ich sah mich da drinnen liegen mit der Angst im Bauch, mit all meinen unbeantworteten Fragen. Und es ist komisch, dass einem immer noch die Knie weich werden.
      Der Mensch ist ein Schüler, Schmerz ist sein Lehrer.

      Alfred de Musset

      [youtube]=9RkrXCgWiPs[/youtube]
      Ja, die Fenster waren früher nicht nur vergittert, sondern auch zugemauert. Im Keller befanden sich früher die Lager zur Unterbringung der Lebensmittel wie Kartoffeln, Gemüse usw. Außerdem befanden sich dort die Privatsachen der Kinder und Jugendlichen in den Wäschebeuteln in einem der Räume sowie die Heimkleidung, die wir tragen mussten.
      Ich weiß nicht, ob die Jungen auch eine Einheitskleidung tragen mußten, wir Mädchen jedenfalls schon, ganz im Zuge der "Mode"!

      L.G. Kaktus
      Der Mensch ist ein Schüler, Schmerz ist sein Lehrer.

      Alfred de Musset

      [youtube]=9RkrXCgWiPs[/youtube]
      Ja, die Fenster waren früher nicht nur vergittert, sondern auch zugemauert. Im Keller befanden sich früher die Lager zur Unterbringung der Lebensmittel wie Kartoffeln, Gemüse usw. Außerdem befanden sich dort die Privatsachen der Kinder und Jugendlichen in den Wäschebeuteln in einem der Räume sowie die Heimkleidung, die wir tragen mussten.
      Ich weiß nicht, ob die Jungen auch eine Einheitskleidung tragen mußten, wir Mädchen jedenfalls schon, ganz im Zuge der "Mode"!

      L.G. Kaktus
      Der Mensch ist ein Schüler, Schmerz ist sein Lehrer.

      Alfred de Musset

      [youtube]=9RkrXCgWiPs[/youtube]
      Hallo. Ich war 1987 dort. Man hatte mich in Berlin_Mitte abends in Mauernähe festgenommen. Stundenlange Verhöre weil man mir einen geplanten Fluchtversuch unterstellte. Natürlich habe ich das auch vorgehabt, allerdings nicht zugegeben.
      Glücklicherweise kam ich dann nach Stralau für paar Tage und dann gings wieder nach hause.
      War ziemlich erbärmlich der Verein dort, besonders die sogenannten Erzieher.
      Hallo. Ich war 1987 dort. Man hatte mich in Berlin_Mitte abends in Mauernähe festgenommen. Stundenlange Verhöre weil man mir einen geplanten Fluchtversuch unterstellte. Natürlich habe ich das auch vorgehabt, allerdings nicht zugegeben.
      Glücklicherweise kam ich dann nach Stralau für paar Tage und dann gings wieder nach hause.
      War ziemlich erbärmlich der Verein dort, besonders die sogenannten Erzieher.
      Im anderen Thread schrieb ich schon kurz etwas über meinen kurzen Aufenthalt in Stralau.
      Beim erstenmal war es ca 1 Monat, daß zweite Mal waren es nur ca 3 Wochen.
      Beide male ging es aber nicht um Schwererziehbarkeit, sondern weil meine Mutter ins Krankenhaus kam
      und wohin mit 3 kleinen Kindern (nachts um 1.00 Uhr).
      Wenn ich in die Hölle komme....
      .... dann packt der Teufel seine Koffer
      Im anderen Thread schrieb ich schon kurz etwas über meinen kurzen Aufenthalt in Stralau.
      Beim erstenmal war es ca 1 Monat, daß zweite Mal waren es nur ca 3 Wochen.
      Beide male ging es aber nicht um Schwererziehbarkeit, sondern weil meine Mutter ins Krankenhaus kam
      und wohin mit 3 kleinen Kindern (nachts um 1.00 Uhr).
      Wenn ich in die Hölle komme....
      .... dann packt der Teufel seine Koffer

      Ich habe auch Bekannte, die für einige Wochen in Alt Stralau waren, weil die Mutter für längere Zeit ins Krankenhaus und anschliessend zur Kur musste. Die fuhren morgens in die Schule, danach wieder ins Heim. Schlechtes haben sie aus der damaligen Zeit nicht berichtet.
      Zu der Zeit war es dann wohl noch kein Durchgangsheim, wie in den 70 ziger Jahren.
      L.G. Löwenzahn

      Ich habe auch Bekannte, die für einige Wochen in Alt Stralau waren, weil die Mutter für längere Zeit ins Krankenhaus und anschliessend zur Kur musste. Die fuhren morgens in die Schule, danach wieder ins Heim. Schlechtes haben sie aus der damaligen Zeit nicht berichtet.
      Zu der Zeit war es dann wohl noch kein Durchgangsheim, wie in den 70 ziger Jahren.
      L.G. Löwenzahn